Die Bundesregierung möchte bis 2040 mindestens 3,75 Billionen Euro privates Kapital nach Deutschland locken. Dafür soll am 19. Oktober in Berlin ein großer Investitionsgipfel stattfinden. Internationale Finanzkonzerne, Pensionsfonds und Vermögensverwalter sollen erscheinen und möglichst gewaltige Summen versprechen.

Fast vier Billionen Euro! Das klingt beeindruckend. Es klingt nach Aufbruch, Wachstum und neuen Arbeitsplätzen. Vor allem klingt es nach der nächsten politischen Zahl, die so gigantisch gewählt wurde, dass niemand mehr genau hinschauen soll.

Denn Kapital lässt sich nicht mit Häppchen, Hochglanzbroschüren und Kanzlerreden anlocken. Investoren legen ihr Geld dort an, wo Energie bezahlbar ist, Steuern konkurrenzfähig sind, Genehmigungen schnell erteilt werden, Eigentum geschützt wird und die politische Richtung berechenbar bleibt. Genau daran mangelt es in Deutschland.

Unternehmen kämpfen mit international kaum konkurrenzfähigen Energiepreisen, einer erdrückenden Bürokratie, immer neuen Berichtspflichten, langen Planungsverfahren und einer Steuerbelastung, die jeden Unternehmer zweimal überlegen lässt, ob er hier noch einen neuen Standort eröffnet. Gleichzeitig hält die Regierung an einer Energiepolitik fest, die Kraftwerke abschaltet, Netze überfordert und anschließend milliardenschwere Subventionen verteilen muss, um die selbst verursachten Nachteile halbwegs auszugleichen.

Das ist keine Standortpolitik. Das ist organisierte Schadensverwaltung.

Besonders dreist ist der Versuch von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, mögliche Wahlerfolge der AfD zum Investitionsrisiko zu erklären. Damit wird bereits vorsorglich ein Schuldiger aufgebaut, falls der große Gipfel nicht die erhofften Ergebnisse liefert. Die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands wurden jedoch nicht von einer Oppositionspartei verursacht.

Es war nicht die AfD, die funktionierende Kernkraftwerke abschalten ließ. Es war nicht die AfD, die Unternehmen mit immer neuen Klimavorgaben, Dokumentationspflichten und EU-Regulierungen belastete. Es war nicht die AfD, die aus dem Land der Ingenieure und Industriearbeiter eine Republik der Formulare, Verbote und Subventionen machte.

Internationale Investoren lesen keine deutschen Wahlkampfparolen. Sie rechnen. Sie vergleichen Strompreise, Unternehmenssteuern, Lohnnebenkosten, Verfahrensdauer und politische Risiken. Wenn Deutschland dabei schlechter abschneidet als andere Standorte, hilft auch das schönste Gruppenfoto im Kanzleramt nicht.

Wie wenig solche Investitionsshows aussagen, zeigte bereits die Initiative „Made for Germany“. Hunderte Milliarden Euro wurden öffentlichkeitswirksam angekündigt. Ein großer Teil davon war jedoch längst geplant oder gehörte zum normalen Investitionsgeschäft der beteiligten Unternehmen. Aus alten Vorhaben wurde eine neue Erfolgsmeldung gebaut. Jetzt soll dieselbe Inszenierung offenbar in einer noch gewaltigeren Größenordnung wiederholt werden.

Auch der Deutschlandfonds ändert am Grundproblem wenig. Der Staat stellt Milliarden und Garantien bereit, um privates Kapital in politisch ausgewählte Bereiche zu lenken. Doch wenn Investitionen erst durch staatliche Risikoübernahme attraktiv werden, ist das kein Beweis für einen gesunden Standort. Es ist ein Warnsignal. Gewinne werden privatisiert, Risiken wandern zum Steuerzahler und Politiker entscheiden zunehmend, welche Branchen als förderungswürdig gelten.

Eine wirkliche Wirtschaftswende wäre wesentlich einfacher: Steuern dauerhaft senken. Energiepolitik vom Kopf auf die Füße stellen. Bürokratie ersatzlos streichen. Eigentum schützen. Planungs- und Genehmigungsverfahren radikal verkürzen. Den Mittelstand entlasten. Ideologische Vorgaben zurücknehmen und Unternehmer wieder selbst entscheiden lassen, wohin sie investieren.

Doch genau dazu fehlt Schwarz-Rot der Mut. Die SPD wird keine grundlegende Entlastung zulassen, solange sie höhere Staatsausgaben, Umverteilung und politische Lenkung für Wirtschaftspolitik hält. Und Friedrich Merz liefert erneut große Worte, während seine Regierung am alten System festhält.

Deutschland braucht keine Betteltour zu internationalen Großinvestoren. Deutschland braucht Bedingungen, unter denen Investoren von selbst kommen und deutsche Unternehmen ihr Kapital nicht länger ins Ausland tragen.

Fast vier Billionen Euro lassen sich nicht herbeireden. Man muss sie sich durch eine vernünftige Politik verdienen. Solange die Regierung das verweigert, bleibt der Investitionsgipfel vor allem eines: eine sündhaft teure Kulisse für den nächsten wirtschaftspolitischen Bluff.