Deutschland hat nicht einfach eine Energiepolitik beschlossen. Deutschland hat sich sehenden Auges in ein gigantisches Experiment gestürzt, bei dem Versorgungssicherheit, Industrie und Wohlstand einem politischen Glaubensbekenntnis untergeordnet werden.

Eine noch unveröffentlichte Untersuchung der Denkfabrik Global Energy Solutions macht deutlich, worüber die Verantwortlichen in Berlin lieber schweigen: Wind- und Solarstrom mögen an der einzelnen Anlage günstig erscheinen. Doch eine Industrienation lässt sich nicht mit schön gerechneten Erzeugungskosten versorgen. Entscheidend ist das gesamte Stromsystem – und genau dort explodiert die Rechnung.

Windräder liefern keinen Strom, nur weil morgens Fabriken ihre Produktion hochfahren. Solaranlagen arbeiten nicht in der Nacht und im Winter oft nur eingeschränkt. Deshalb braucht ein von Wind und Sonne abhängiges System zusätzliche Netze, Speicher, Reservekraftwerke, Importe und Anlagen, die bei einem Überangebot wieder abgeregelt werden müssen. Der Bürger bezahlt also nicht nur für Windräder und Solarmodule. Er bezahlt außerdem für das komplette Sicherheitsnetz, das deren wetterabhängige Produktion überhaupt erst nutzbar macht.

Nach den Berechnungen der Studie würden die Systemkosten bei einer vollständigen Versorgung aus Wind und Sonne auf 321 Euro je Megawattstunde steigen. Als Vergleichswert für 2022 werden 141 Euro genannt. Selbst bei einem Anteil von 80 Prozent erneuerbarer Energien lägen die Kosten demnach je nach Absicherung zwischen 197 und 212 Euro.

Das ist keine Energiewende. Das ist die organisierte Verteuerung eines lebenswichtigen Gutes.

Besonders grotesk ist, dass der Strombedarf durch Elektroautos, Wärmepumpen, Rechenzentren und die Elektrifizierung der Industrie massiv steigen soll. Die Untersuchung rechnet für 2045 mit 950 Terawattstunden pro Jahr – gegenüber derzeit etwa 530. Die Politik will also nahezu alle Bereiche elektrifizieren, während sie gleichzeitig zuverlässige Kraftwerke abschaltet und die Versorgung immer stärker vom Wetter abhängig macht.

So etwas kann man nicht seriöse Planung nennen. Das ist ideologische Fahrlässigkeit.

Großbatterien werden dieses Problem nicht einfach lösen. Sie können Schwankungen über Stunden ausgleichen, aber keine längere Dunkelflaute überbrücken. Wasserstofffähige Gaskraftwerke wiederum müssen erst gebaut, finanziert und mit Brennstoff versorgt werden. Sie stehen einen erheblichen Teil des Jahres bereit, ohne Strom zu produzieren, verursachen aber trotzdem Kosten. Und wenn im Ausland ebenfalls Windstille herrscht, kann Deutschland seinen fehlenden Strom auch nicht grenzenlos herbeizaubern.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ein Mix mit einem großen Anteil Kernkraft die Gesamtkosten deutlich senken könnte. Im berechneten Kostenminimum liefern 98 Gigawatt Kernkraftleistung den verlässlichen Sockel, ergänzt durch 90 Gigawatt erneuerbare Energien und 20 Gigawatt Gasleistung. Die Systemkosten würden demnach auf 125 Euro je Megawattstunde fallen.

Ob sämtliche Annahmen dieser bislang unveröffentlichten Untersuchung einer unabhängigen Prüfung standhalten, muss sich noch zeigen. Auch der Aufbau von 98 Gigawatt Kernkraft wäre ein gewaltiges, langfristiges Projekt. Neubauten können teuer sein, Genehmigungen dauern und die Endlagerfrage bleibt politisch ungelöst. Wer diese Einwände verschweigt, macht es sich zu einfach.

Doch ebenso unseriös ist es, bei Wind und Sonne nur auf günstige Erzeugungskosten zu zeigen und die milliardenschweren Folgekosten des Gesamtsystems auszublenden. Genau mit diesem Taschenspielertrick wird den Bürgern seit Jahren eingeredet, wetterabhängiger Strom sei automatisch billiger Strom.

Deutschland hätte seine bestehenden Kernkraftwerke weiterbetreiben, modernisieren und gleichzeitig neue Technologien prüfen müssen. Stattdessen wurden funktionsfähige Anlagen abgeschaltet und teilweise bereits zerstört. Nun sollen mit enormem Aufwand Gaskraftwerke, Speicher und Stromleitungen gebaut werden, um jene Versorgungslücken zu schließen, die man zuvor selbst geschaffen hat.

Andere Staaten verlängern Laufzeiten, planen neue Reaktoren oder entwickeln kleinere Reaktorkonzepte. Deutschland sprengt dagegen seine Energieinfrastruktur und nennt das Fortschritt.

Die Energiepolitik muss endlich wieder drei einfachen Maßstäben folgen: Strom muss jederzeit verfügbar, international wettbewerbsfähig und möglichst emissionsarm sein. Welche Technik diese Anforderungen erfüllt, darf nicht von grünen Glaubenssätzen entschieden werden, sondern von Ingenieuren, belastbaren Berechnungen und wirtschaftlicher Vernunft.

Windkraft und Photovoltaik können Teile eines vernünftigen Strommixes sein. Sie dürfen aber nicht länger wie heilige Kühe behandelt werden, deren tatsächliche Systemkosten niemand ansprechen darf. Kernkraft muss ohne ideologische Scheuklappen wieder auf den Tisch – einschließlich Laufzeitverlängerungen, neuer Reaktoren und moderner Konzepte.

Ein Land, das seine Industrie elektrifizieren will, darf seine verlässlichsten Stromquellen nicht abschalten. Wer das trotzdem tut, betreibt keinen Klimaschutz. Er gefährdet Arbeitsplätze, Wohlstand und Versorgungssicherheit – und schickt die Rechnung anschließend an Bürger und Unternehmen.

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