Manuela Schwesig steigt neu in das aktuelle INSA-Politikerranking ein und landet auf Anhieb auf Platz vier. Damit gilt sie plötzlich als beliebteste Politikerin Deutschlands. Wer sich fragt, wie das zu ihrer politischen Bilanz passt, stellt bereits die richtige Frage.
Denn solche Ranglisten messen keine Kompetenz, keine Verlässlichkeit und schon gar keine erfolgreiche Regierungsarbeit. Sie messen Bekanntheit, spontane Sympathie und mediale Präsenz. Das Ergebnis ist eine politische Unterhaltungsshow, bei der ein freundliches Gesicht, ein geschickt inszenierter Auftritt und die regelmäßige Präsenz in den richtigen Medien offenbar mehr zählen als Verantwortung, Ergebnisse und Konsequenzen.
Schwesig regiert Mecklenburg-Vorpommern seit 2017. Unter ihrer Führung wurde eine sogenannte Klimastiftung geschaffen, die in Wirklichkeit maßgeblich dabei helfen sollte, den Bau von Nord Stream 2 gegen drohende amerikanische Sanktionen abzusichern. Was als Umweltprojekt verkauft wurde, entwickelte sich zum politischen Schutzmantel für ein russisches Pipelinegeschäft.
Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine erklärte Schwesig ihr damaliges Engagement zum Fehler. Damit war die Sache für sie offenbar weitgehend erledigt. Ein politischer Irrtum von historischer Tragweite wurde rückblickend bedauert, während die Verantwortung im Nebel eines jahrelangen Untersuchungsausschusses verschwand. Regierung und Opposition kamen am Ende erwartungsgemäß zu völlig unterschiedlichen Bewertungen. Wirkliche Konsequenzen für Schwesig? Keine.
Gleichzeitig gerät der Haushalt Mecklenburg-Vorpommerns immer tiefer in Schwierigkeiten. Der Landesrechnungshof warnte bereits vor einer schweren Gefährdung der finanziellen Handlungsfähigkeit. Einnahmen und Ausgaben laufen auseinander, Rücklagen werden aufgezehrt, neue Schulden aufgenommen und die Personalkosten steigen. Für die Jahre nach 2027 zeichnet sich eine Finanzierungslücke in Milliardenhöhe ab.
Doch im Wahlkampf verspricht Schwesig weiter, verteilt Wohltaten und inszeniert sich als Beschützerin der Bürger vor einer Politik, die ihre eigene Partei auf Bundesebene mitträgt. Kurz vor der Landtagswahl entdeckt sie plötzlich ihre Distanz zu Berlin, kritisiert Reformpläne und fordert günstigere Energie. Die Ministerpräsidentin spielt Opposition gegen die eigene Partei und hofft offenbar, dass niemand genauer hinsieht.
Diese Strategie scheint zumindest bei oberflächlichen Beliebtheitsmessungen zu funktionieren. Während die SPD in Mecklenburg-Vorpommern deutlich hinter der AfD liegt und gegenüber ihrem Wahlergebnis von 2021 massiv verloren hat, wird Schwesig bundesweit zur politischen Sympathieträgerin erklärt. Das ist kein Beweis für erfolgreiche Politik. Es ist ein Beweis dafür, wie weit sich öffentliche Wahrnehmung und tatsächliche Regierungsbilanz voneinander entfernen können.
Bemerkenswert ist zudem, wie niedrig das allgemeine Niveau dieses Rankings liegt. Selbst Spitzenreiter Boris Pistorius erreicht lediglich 4,9 von zehn möglichen Punkten. Nicht einmal der angeblich beliebteste Politiker Deutschlands kommt damit auf die Hälfte der Skala. Das ist kein Vertrauensbeweis für die politische Klasse, sondern ein vernichtendes Gesamturteil.
Noch erbärmlicher sieht es für Bundeskanzler Friedrich Merz aus. Er landet erneut am Ende der Rangliste. Der Mann, der den Bürgern eine politische Wende versprach und nach der Wahl zahlreiche Erwartungen enttäuschte, ist inzwischen zum personifizierten Vertrauensverlust geworden. Dass Schwesig vor ihm liegt, ist deshalb weniger ein Triumph für sie als eine weitere Demütigung für den Kanzler.
Politikerrankings sind letztlich Momentaufnahmen mit begrenzter Aussagekraft. Sie dürfen nicht mit einer Bewertung der tatsächlichen Regierungsleistung verwechselt werden. Wer bekannt ist, geschickt auftritt und medial wohlwollend behandelt wird, kann darin glänzen, obwohl sein politisches Konto ganz anders aussieht.
Im September wählen die Bürger Mecklenburg-Vorpommerns einen neuen Landtag. Dann geht es nicht um Sympathiepunkte in einer bundesweiten Onlinebefragung, sondern um konkrete Verantwortung: für den Haushalt, für die wirtschaftliche Entwicklung, für die Folgen der rot-roten Politik und für den Umgang mit der Nord-Stream-Affäre.
Dort wird sich zeigen, was der vierte Platz wirklich wert ist. Wahlplakate und Beliebtheitslisten können eine Bilanz schließlich nur eine begrenzte Zeit überdecken.

